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	<title>permanent breakfast &#187; Schneider</title>
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		<title>12/07/09 Olive Morris Gedächtnis breakfast Brixton</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Jun 2009 02:55:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Schneider</dc:creator>
				<category><![CDATA[Großbritannien]]></category>
		<category><![CDATA[breakfast event]]></category>

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		<title>there is no free lunch&#8230; &#8230; but permanent breakfast&#8230;</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Jun 2009 12:38:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Schneider</dc:creator>
				<category><![CDATA[beyond economy]]></category>

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		<description><![CDATA[JENSEITS DER ÖKONOMIE – oder: there is no free lunch&#8230; &#8230; but permanent breakfast&#8230; Szene eins: „Ich habe keine Zeit“, der alte Mann und ein Kind an seiner Hand, die eben grad noch relativ gemütlich über den Güssinger Hauptplatz schlenderten, beschleunigen die Schritte angesichts der Einladung zum Kaffee. Andere sind von sich aus so in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>JENSEITS DER ÖKONOMIE – oder: there is no free lunch&#8230;<br />
&#8230; but permanent breakfast&#8230;</p>
<div id="attachment_604" class="wp-caption alignleft" style="width: 579px"><a href="http://www.ritesinstitute.org/permbreak_blog/wp-content/uploads/2009/01/pb-papua-lead.jpg"><img class="size-full wp-image-604" title="pb-kiriwina-papua new guinea-lead" src="http://www.ritesinstitute.org/permbreak_blog/wp-content/uploads/2009/01/pb-papua-lead.jpg" alt="cc phillip mayerhofer" width="569" height="320" /></a><p class="wp-caption-text">kiriwina-papua cc phillip mayerhofer</p></div>
<p>Szene eins:<br />
„Ich habe keine Zeit“, der alte Mann und ein Kind an seiner Hand, die eben grad noch relativ gemütlich über den Güssinger Hauptplatz schlenderten, beschleunigen die Schritte angesichts der Einladung zum Kaffee. Andere sind von sich aus so in Hetze, dass sie zu keiner verbalen Absage in der Lage sind – sie verweisen auf den Rücken ihres Handgelenks, dort wo sich die Uhr befinden sollte.<br />
Szene zwei<br />
Hauptplatz in Laa/Taya. In Mitten von parkenden Autos ein Frühstückstisch. Die Leute kommen hierher, so wird uns rasch klar, zum Einkaufen. Den Hauptplatz – Parkplatz benutzen sie zum hektisch mühsamen Einpacken ihrer Waren. Lustig: der offensichtlich surreal deplazierte Tisch wird gar nicht mal wahrgenommen. Wenn eine Pause gemacht wird, dann im Cafe gegenüber, denn das ist voll Menschen. Ein einziger Einheimischer gesellt sich zu uns. Sein Ruf, so erfahren wir, ist „eh schon ruiniert“. Wäre er es nämlich nicht, wäre es höchst peinlich, wenn ihn hier jemand mitten am Tag frühstücken sah. Und das, so erfahren wir weiter, sei auch der Grund, warum sich sonst niemand zu uns setzen könne.</p>
<p>Was wird da gespielt?<br />
Es ist doch offensichtlich, dass der alte Mann und sein Enkerl wie sie da über den Hauptplatz queren, nicht „keine Zeit“ haben. Aber aus irgendeinem Grund ist es wichtig, dass nicht der Verdacht aufkommt, sie hätten zuviel davon.<br />
Andererseits der Blick auf das Handgelenk, die tippende Geste mit dem Zeigefinger der anderen Hand. Es wird zu Recht damit spekuliert, dass wir genau wissen – da ist jemand in Eile, die Werkel läuft. Es braucht überhaupt keine Uhr mehr da zu sein: Einst Symbol für die fremd bestimmte Zeit, ist das Ziffernblatt nach innen gewandert, hat sich in den Körper, in das Handgelenk eingeschrieben. Gilles Deleuze sprach vom „elektronischen Halsband“ als einer Metapher für die Ablösung der Disziplinar- durch die Kontrollgesellschaft.<br />
Dass es „gar so peinlich“ ist, Platz zu nehmen, hat wahrscheinlich damit zutun, dass wir frühstücken. Denn dass Mahlzeiten soziale Ereignisse sind, die auch im Freien und unter Einbeziehung von Gästen stattfinden können, ist ja noch nichts Auffallendes. PassantInnen als Gäste anzurufen und damit auch mit einer vertrauten Geste zu konfrontieren, macht ja einen Reiz der Inszenierungen aus.<br />
Das Frühstück jedoch ist jene Mahlzeit, die nach unfreiwilligem Aufstehen stattfindet, allen ernährungswissenschaftlichen Beteuerungen zum Trotz meist in Hektik oder gar nicht. Gemütlich gefrühstückt wird am Sonntag und das zeichnet den Sonntag aus. Wer mitten am Tag frühstückt ist ein Tagedieb, einer der die Arbeit, vor deren Antritt gefrühstückt wird, nicht hat. Es hat sich zwar in den letzten Jahren die öffentliche Frühstückskultur geändert, es fand sozusagen eine business &#8211; Rehabilitierung des Frühstückens statt. Heute gilt eher: Wer es sich leisten kann lang und ausgiebig zu Frühstücken der gehört zum erfolgreicheren Segment der Gesellschaft, nicht an Bürozeiten gebunden, mit handy und laptop unterwegs und gleichzeitig gezwungen immer und überall Dienst zu machen. Die schicken Frühstücksbars als Orte für Pressekonferenzen (Pressefrühstücks!) und meetings offenbaren, dass die neue Ökonomisierung gewillt ist, sich mit den Formen der Muße zu spielen und diese für sich in Beschlag zu nehmen (so wie in „Taxi Orange“ die Idee des zunächst gegenkulturell fantasierten realen WG Lebens zu einer Metapher neoliberaler Selektionspolitik, Überwachungsstaat und lustvoller Inhalation der Kontrollgesellschaft wird.) . Das Mittagessen &#8211; eine mit Ideologie aufgeladene familiäre Zusammenkunft mit Tischgebet. Dort wo das lebenstechnisch nicht möglich ist, im Büro, wird die Familie simuliert – zum Beispiel durch die spaßige Angewohnheit, in Ämtern um 12.00 mit „Mahlzeit!“ zu grüßen. Das Dinner wiederum ist den Geschäftsbesprechungen, den Rendezvous und blind-dates vorbehalten. Frühstück ist (oder war) Privatsache. Im Morgenmantel. Verschlafen, schweigsam, radiohörend. Jeder dann, wann er/sie eben muss.<br />
Permanent breakfast bedeutet auch, diese Idee der Privatheit öffentlich zu machen, ein Stück Innenleben nach außen zu stülpen und mit fremden Personen zu füllen.<br />
Dass wir Zeit haben bis die Sonne unter geht zu frühstücken, diese Zeit als sinnvoll genutzt anerkennen und das darüber hinaus noch öffentlich tun, wird scheinbar als Provokation gelesen. Da Mitzutun, ist in einer österreichischen Kleinstadt nicht ungefährlich, zu schmal ist die Grenze vom braven Bürger zum Taugenichts.<br />
Eine weitere Verstörung scheint die Ausgabe von gratis Essen hervorzurufen – in Szene zwei war das Ausruhen im Café sehr wohl möglich. Beim klassischen permanent breakfast spielt zwar die  Essenszufuhr selbst bewusst eine untergeordnete Rolle, dass aber für den Kaffee kein „Körberl“ aufgestellt wird, ist notwendiger Teil der Spielregel, heißt es doch, dass jeweils eine Person zum Frühstück einlädt und die „Bezahlung“ in Form von „Fadenaufgreifen“ erfolgt (Paul Watzlawick spricht von einer „Kettenreaktion des Guten“, dem Aufgeben von „Nullsummenspielen“). Jetzt kennen wohl alle das öffentliche Beschenktwerden, insbesondere mit Lebensmittel und wir alle haben die kulturellen Codes gut gelernt: There is no free lunch. Für viele Menschen ist allein schon die Tatsache, dass vertraute Setzungen plötzlich nicht funktionieren, da es sich um keine Werbeveranstaltung handelt, schon Grund genug eigenartig berührt die Tafel zu meiden. Eingeschrieben sein in die Ökonomie heißt durch und durch von einem Misstrauen allen anderen Formen von Lebensmöglichkeiten gegenüber erfasst zu sein. Alle, die mit dem ökonomischen Vorgaben nicht Schritt halten wollen oder können, sind zu meidende Gefahrenquellen, stellen sie doch die tagtäglichen Mühen der Anpassung in Frage. Wir sollten ernsthaft erwägen, ob es nicht tatsächlich bedeutet: There is no free lunch im Sinne einer flehenden Bitte: und es sollte auch nie eines geben, dann ich möchte mir meines hart erarbeiten.</p>
<p>Es gab in den letzten Jahrzehnten immer wieder die Diskussion darüber, ob denn in Anbetracht der Krise der Arbeitsgesellschaft die Identität stiftende Wirkung von Erwerbsarbeit neu durchdacht werden müsse, und in den oft erzwungenen Mußezeiten der Erwerbslosigkeit nicht das positive Potenzial einer „Auszeit“ stecken könnte, wenn diese ökonomisch anders (Stichwort: Einkommen für Alle) organisiert wäre. Dann müssten diese erzwungenen Müßegänger sich auch nicht mehr verstecken und durch Frühstücksverweigerung Normalität mimen. Freilich, in anbetracht steigender Arbeitslosenzahlen bei angeblicher Wirtschaftskrise und dem Aufgeben jeglicher realpolitischer Versuche Ökonomie anders, denn über Wachstumssteigerung zu denken, verstummten diese Debatten im Handumdrehen.<br />
Ja, und auch wir gehen mit der Zeit, auch wir wissen, dass es kein „jenseits der Ökonomie“ gibt, dass alle Auszeit-Inseln immer schon Teil der Zeitorganisation waren etc. etc. Dialektischer Weise ist für uns professionalisierte Mußegänger das Frühstück harte Arbeit, Erwerbsarbeit.</p>
<p>Karin Schneider</p>
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