permanent breakfast

… the continually ongoing breakfast in the open space

04/07/09 Museumsquartier Wien

MQ – Museumsquartier
Frühstück im Hof

Samstag, 4. Juli 2009
ab 11:00 Uhr

foto: abbé libansky

foto: abbé libansky

foto: abbé libansky

foto: abbé libansky

foto: abbé libansky

foto: abbé libansky

(You Gotta) Fight for Your Right (To Party!)

Ich beginne meinen Aufruf am 4. Juli ins Museumsquartier zu kommen und zu frühstücken mit einer kleinen Lektion in Geschichte, die ich (in memoriam Bruno Kreisky) den derzeit über das Museumsquartier berichtenden Journalist/inn/en widme: als die Beastie Boys, eine New Yorker Hip-Hop-Band, 1986 ihre erste Singleauskopplung aus ihrem Album Licensed to Ill veröffentlichten (damals gab es noch Vinylschallplatten und noch kein iTunes, deswegen wurden Hits oder hitverdächtige Songs aus den Langspielplatten ausgekoppelt und als Singles gepresst) war die Aufregung groß. The specifics of “Fight for Your Right” were simple. Its manifesto advanced the notion that the world’s problems could be solved with more beer.[1] Das war in der Tat eine Zeitenwende. Hatte man bis dahin Jugendlichen gerne ihr Revoluzzertum vorgehalten, so ist Fight for Your Right zweifellos die Geburtsstunde der Rede von der “unpolitischen Jugend”, die nichts anderes will als Party machen. Innerhalb kürzester Zeit hatten die Beastie Boys eine Fangemeinde, die ihnen frenetisch zujubelte (“party, party…”) – und dabei die Ironie dieser Nummer völlig verpasste. Die Band selbst fand wohl, dass die Sache in die Hose gegangen ist und hat Fight for Your Right nach 1987 nie wieder aufgeführt. Ich finde das ein bisschen weinerlich, denn immerhin hat die Nummer eine ganz okaye Ambivalenz.

Auf der anderen Seite fanden sich innerhalb kürzester Zeit all jene ein, die immer schon über das langhaarige linke Gesindel und die fehlenden Ideale der Jugend geschimpft hatten. Elisabeth Gehrer ist diesbezüglich ja nur besonders auffällig geworden.[2] Nun wurde dieser entbehrliche Schwanengesang allerdings verstärkt durch Linke und Liberale, die skurrilerweise einstimmten. Selbst der Falter kommentiert in seiner letzten Ausgabe: Es gibt edlere Kämpfe als jenen um das Recht, gratis auf gelben Plastikliegen zu lümmeln [3] und vergleicht den Protest im Wiener Museumsquartier mit den Protesten in den Straßen Teherans. Protest im MuQua erscheint dabei irgendwie lulu gegen Demo im Iran.

Ich weiß nicht recht. Echt? Lebensgefahrmäßig ist das ja sicher richtig – aber bei der Frage der Ziele bin ich mir schon nicht mehr so sicher. Ich vermute mal, dass die jugendlichen Perser [4] (und die Perserinnen erst!) eigentlich auch am liebsten in Ruhe twittern und sich (unzensiert) anderswo im Internet herumtreiben würden, in den Straßen Teherans herumsitzen und Getränke ihrer Wahl zu sich nehmen (womöglich sogar einmal ein Bier), in selbst gewähltem Outfit, ohne dass ihnen die Wächtergarden nachstellen – und dabei würden sie wahrscheinlich gerne die Musik hören, die ihnen gefällt. Ganz genau so wie die jungen Leute bei der Kundgebung im Museumsquartier am 20. Juni. Und (Achtung! jetzt kommts:) dafür braucht es demokratische Bedingungen. Hier wie dort. Es geht um nichts anderes, als darum, dass die Freiheit den öffentlichen Raum zu nutzen Spielregeln folgen muss. Nicht alles geht, aber auch nicht alles was geht, muss allen immer gefallen. Wo gemeinsame Güter und Räume genutzt werden, gibt es Konflikte und muss es daher Verhandlungen geben, wie diese zu lösen sind. Aber nach demokratischen Spielregeln. Gibt es die bei uns? Let´s prove it.

Wir werden kein Bier trinken. Wir sind quasi der alkoholfreie Arm der Bewegung. Wir haben zwar kein Manifest das besagt, dass die Probleme der Welt durch mehr Kaffee gelöst werden können. Aber vielleicht können wir ja am Samstagvormittag bei der einen oder anderen Tasse Kaffee die dringende Frage besprechen, ob das MQ nun ein öffentlicher Raum ist – oder nicht. Das läst sich aber auch ganz praktisch überprüfen: bleiben wir, ist es einer. Fliegen wir raus, ist es ein mit Steuermitteln errichteter und erhaltener nicht öffentlicher Raum.

Kommt zahlreich! Und bringt mit: Tische, Sessel, Tischtücher, Kaffee, und Semmerln.
Oder nur Tischtücher (die machen sich sicher auch gut auf den Enzis) und Kaffee.
Oder nur Euch selbst! Fight for your right (you gotta!)

Ursula Hofbauer

invitation

invitation

foto: abbé libansky

foto: abbé libansky

permanent breakfast im MQ foto: abbé libansky

permanent breakfast im MQ foto: abbé libansky

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[1] http://www.blender.com/guide/67366/greatest-songs-ever-fight-for-your-right.html
[2] Die Presse, 23.8.2003: Kinder sind die beste Zukunftssicherung, darüber muss man reden. Was macht das Leben lebenswert? Etwa wenn man von Party zu Party rauscht, ist es das Single-Leben?
[3] Matthias G. Bernold, Claudia Weber: Rebellion in Enziland.
[4] ebd.

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